Prag – Metropole zwischen Kafka, Moldau und Bier

Prag – Metropole zwischen Kafka, Moldau und Bier

Für meine Bekannte war es „Liebe auf den ersten Blick“ nach ihrem City Trip Prag kam sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Sie erzählte begeistert von der atemberaubenden Architektur von entspannten Kaffeehausbesuchen und romantischen Stadtspaziergängen. Wir ließen uns anstecken und buchten ebenfalls eine Reise in die Goldene Stadt.

Mein Freund trällerte schon Tage vorher, dass wir nun Karel Gott besuchen würden und man glaubt es oder nicht, am Flughafen stand die „goldene Stimme von Prag“ tatsächlich gemeinsam mit uns am Gepäckband. Das nenne ich Promi-Bestellung…oder flieht er vielleicht vor Bushido? Wie auch immer,- wir wollten erst einmal an Bares kommen. Das war überhaupt kein Problem, am Flughafen stehen Geldwechselautomaten, dort kann ein kleiner Betrag für den ersten Tag in Kronen getauscht werden. Sonst haben wir unser Geld am Bankautomaten geholt.

Das Nahverkehrsnetz in Prag ist ausgezeichnet, mit dem Flughafenbus fuhren wir zur U-Bahn-Station und die U-Bahn, brachte uns problemlos zu  unserem Hotel.

Wir hatten uns für ein kleines Haus (Hotel Carol) mit Schwimmbad, im 9. Prager Bezirk, entschieden. Mit der U-Bahn, direkt vor der Tür, erreichten wir in 20 Minuten das Zentrum.

Es empfiehlt sich eine Dreitages-Karte zu kaufen, die ist recht günstig. Vorsicht bei den Rolltreppen! Die gehen gefühlte 100m in den Abgrund und sind extrem schnell. Also immer den Zeitpunkt für den richtigen Auf- und Absprung planen.

Für den ersten Tag entschieden wir uns für eine Fahrt mit der Straßenbahn Nr. 22. Sie durchquert einmal diagonal die Stadt und passiert dabei die schönsten Sehenswürdigkeiten von Prag. Unser „Schienen-Stadtbummel“ dauerte etwas über eine Stunde. Er führt vorbei an Hradschin (Prager Burgenviertel), am Kleinseiten Ring, am Nationaltheater und Neustädter Rathaus. An der Station Pohorelec, die am oberen Ende des Burgviertels liegt, haben wir die „Tram“ verlassen und die Aussicht auf das  Stadt- Panorama genossen.

Und es stimmt, Prag hat einzigartiges Flair. Im Westen liegt die Prager Kleinseite, mit verwinkelten Gassen und kleinen Plätzen, direkt  unter der beeindruckenden Prager Burg. Auf der anderen Seite der Moldau befindet sich die Altstadt, mit dem wohl schönsten  zentralen Marktplatz Tschechiens, dem Altstädter Ring. Die wunderschöne Karlsbrücke überspannt die Moldau und verbindet die Altstadt mit der Kleinseite.

Nicht weit entfernt befinden sich Prags Nervenzentrum der Wenzelplatz und das jüdische Viertel, das Josefov (Josefstadt). Prag ist ein Mekka für Architektur Fans, wie ich es einer bin. Hier stößt man jeden Meter auf eine neue Epoche,- egal ob  Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus, Jugendstil, Kubismus, Funktionalismus oder gegenwärtige Architektur. In Prag sind sie alle zu sehen… Prag wurde niemals zerstört und das sieht man auch. Vierzig Jahre sozialistische Mangelwirtschaft taten das Ihrige dazu, dass alles Historische erhalten blieb.

Kein Wunder, dass sich auch der internationale Film-Jetset hier rumtreibt, besonders wenn es um das historische und „alte Europa“ geht. Tom Cruise, Bruce Willis, Sylvester Stallone, Wesley Snipes, Michael Douglas und Ben Kingsley, alle waren schon hier. Auch  James Bond alias Daniel Craig drehte für  „Casino Royale“ an der Moldau.

Wir entschieden uns jeden Tag ein eigenes Stückchen der Stadt für sich zu entdecken. Am zweiten Tag ging es am Nationalmuseum vorbei den langgezogenen Wenzelsplatz hinunter. Mit über 700m Länge ist er eher ein Boulevard. Uns beeindruckten die schönen Straßen-Cafés und die Hausfassaden der Gründerzeit und des Jugendstils.

Durch die wunderschönen Gassen der Altstadt erreichten wir dann den legendären Altstädter Ring. Hier wird klar, warum Prag UNESCO Welterbe ist. Dieser Platz zählt zu den schönsten und berühmtesten Plätzen Europas. Bereits im 12. Jahrhundert wurden an dieser Stelle Waren aus ganz Europa verkauft. Rund um den Marktplatz befinden sich viele Renaissance- und Barockhäuser. Das Wahrzeichen der Altstadt, die Teyenkirche liegt an der Ostseite. Die beiden Kirchtürme mit ihren 18 Spitzen sind 80 Meter hoch.

An der Südwestseite  findet sich die astronomische Uhr, an der sich zu jeder vollen Stunde, Menschenmassen versammeln. Vor fast 600 Jahren wurde sie, als damals weltweit dritte astronomische Uhr konstruiert.

Natürlich haben wir einen Tag der Kleinseite und dem Burgenviertel gewidmet. Mit der U-Bahn  sind wir an der Station Masarykovo ausgestiegen und über den Klostergarten hinauf zum Burgenviertel gestiegen.

Der Hradschin ist das größte zusammenhängende Burgareal der Welt. Auf siebzig Meter thront es über der Moldau. Neben den beeindruckenden Bauwerken gibt einigen herrlichen Gartenanlagen zu erleben.

Am Matthiastor ist täglich um 12 Uhr, die Wachablösung zu sehen, ein Spektakel mit Fanfaren, Blechbläsern und Trommeln. Nachdem wir dem Trubel einige Zeit zugesehen haben, ging es die Treppe hinab ins Kleinseiten Viertel.

Dieses Viertel bezaubert mit ursprünglichen kleinen Gassen und Häuserfassaden, die seit ihrer Erbauung fast unverändert geblieben sind. Über den Kleinseitener Platz mit dem Kleinseitener Ring erreicht man die berühmte Karlsbrücke.

Hier geht es äußerst turbulent zu,Straßenhändler verkaufen Souvenirs und Musiker aus aller Welt zeigen hier was sie können. Natürlich haben wir uns beim heiligen Nepomuk noch unsere Portion Glück abgeholt. Reibt man das Relief, so soll das Glück bescheren. Auf jeden Fall hatten wir von der Brücke aus einen phantastischen Blick auf die Moldau und die Prager Burg.

Wer ein wenig Venedig –Feeling erleben möchte, besucht die Kampa Halbinsel, sie liegt in unmittelbarer Nähe der Karlsbrücke. An dieser Stelle ist Prag ruhig und beschaulich, die malerischen Gassen geben verträumte Winkel frei und im angrenzenden Park kann man entspannte Stunden verbringen.

Als Frank O. Gehry-Fans (Architekt des Guggenheim-Museums/Bilbao) haben wir natürlich das tanzende Haus besichtigt. Es ist eines der neuen Prager –Wahrzeichen. In Prag heißt das Gebäude Ginger und Fred, weil es an das legendäre Tänzer-Paar Ginger Rogers und Fred Astaire erinnert.

In der Nähe des Hauses findet sich auch ein Restaurant, das absolut empfehlenswert ist. Wir sind zwar „Fleischfresser“, aber wissen auch die vegetarische Küche zu schätzen. Das Restaurant Lehká Hlava (in der Borsov 2) ist nicht nur optisch ein Leckerbissen. Unterm Sternenhimmel genießt man köstliche, fleischlose Gerichte.

Um das Jüdische Viertel, die Josefstadt,  zu besuchen haben wir die grüne Metrolinie bis zur Haltestelle Staromestska genommen und sind dann in Richtung Franz Kafka Platz gelaufen. Bitte bedenken,  am Samstag ist der jüdische Sabbat, d.h. man steht vor verschlossenen Türen.

Wer die einzelnen Bauwerke und den Friedhof besichtigen will, muss tief in die Tasche greifen, denn alles kostet Eintritt. Wir haben es genossen, uns einfach nur durch die hübschen Gassen treiben zu lassen und aus einem Kaffehaus die Leute zu beobachten. Umsonst kann man die Uhr des Jüdischen Rathauses bewundern. Die Zeiger bewegen sich gegen den Uhrzeigersinn.

Wer Prag besucht sollte auf jeden Fall eine Moldaufahrt machen, da erlebt man die Silhouette der „goldenen Stadt“ vom Wasser aus und das ist wirklich einen lohnenswerte Perspektive. Anlegestelle ist bei der Čechův-Brücke im Norden. Es gibt Fahrten mit Dinner, mit Jazz-Musik, bei Sonnenuntergang und und und.

Auf den Spuren des großen Sohnes der Stadt, Franz Kafka, haben wir uns nicht begeben. Es gibt das Denkmal in der Vezenska-Straße, viele Wohnhäuser u.a. das Natrzísté 15 im Goldmachergäßchen und natürlich das Kafka Museum (Cihelna 2B/Moldau Ufer). Hier sind persönliche Briefe, Handschriften, Tagebücher, Fotos und alle Erstauflagen seiner Romane zu sehen. Vor dem Museum gibt es einen Brunnen mit zwei pinkelnden Männern, diese haben uns reichlich amüsiert.

Prag ist auch ohne Kafka-Spurensuche auf jeden Fall eine Reise wert. Egal, ob man sie zauberhaft, hunderttürmig, golden, romantisch oder als steinerne Kulturmetropole bezeichnet. Jeder Tag bietet neue Eindrücke und Prag ist jung, modern, quirlig und weit weg vom ehemaligen sozialistischen Einheitsgrau. Für einen Besuch in der tschechischen Hauptstadt ist es  ratsam, mehr als nur zwei Tage einzuplanen, dann kann man die Schönheit der Moldaumetropole ganz entspannt genießen. Wer möchte, kann neben den vielen Hotels, auch einmal ein City Apartments ausprobieren. Einige Beispiele finden sich hier:

http://www.wimdu.de/prag

http://www.airbnb.com/s/Where-do-you-want-to-go?prag

http://www.only-apartments.de/SearchResultList.aspx

http://www.german.hostelworld.com/Jugendherbergen/Prag/Tschechische-Republik

Webcam Prag: http://www.earthtv.com/de/kamerastandort/prag-tschechischerepublik