Lissabon - Eine Winterreise an den Tejo

Lissabon – Eine Winterreise an den Tejo

„Lissabon, da musst du mal hin“, – sagte mir ein Freund,- „nur nicht im Sommer, da ist es zu heiß.“ So, nun ist es Winter und ich sitze auf einen der schönsten Aussichtpunkte der Stadt und genieße den Blick über das Häusermeer – bei 18 Grad und Sonne. Ich muss gestehen, Lissabon hat mich überrascht. Sie ist melancholisch und fortschrittlich, träge und quirlig, heruntergekommen und herausgeputzt. Für mich eine der interessantesten Städte Europas, denn die Metropole am Tejo ist wirklich spannend und vielfältig. Lissabon ist wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. Nur sind diese viel steiler, als in der italienischen Metropole. Für unser Basislager hatten wir uns das Bairro Alto ausgesucht, dass Kneipenviertel von Lissabon. Wenn schon,- dann mittendrin und voll dabei! Unsere Vermieterin Ines holte uns sogar vom Flughafen ab und ihre kleine Wohnung war wirklich bezaubernd. Sie ist eine perfekte Gastgeberin, die sich herzlich um ihre Besucher kümmert und außerdem braucht sie ihre Fahrweise nicht hinter Fernando Alonso oder Sebastian Vettel verstecken. Während der Fahrt stand meinem Freund der kalte Schweiß auf der Stirn, ich habe mich mit ihr sofort hervorragend verstanden.

Das Bairro Alto macht es einem wirklich einfach sich zu verlieben, viele kleine Gassen, trendige Läden und Boutiquen bilden ein ideales Shoppingrevier. Daneben gib es das ganz normale portugiesische Alltagsleben,- ältere Männer lassen es sich in der Kaffeebar bei einem Gläschen Wein gutgehen, Mutti hängt die Wäsche auf und ruft ihre Kinder resolut zur Ordnung. Die Jugendlichen reparieren ihre Mopeds mitten auf der Straße. Manchmal scheint die Idylle fast inszeniert. Geht die Sonne unter, ändert sich das Gesicht des Viertels total. „Dann brennt in den Straßen des Bairros die Hütte.“ Wer hippes Nachtleben sucht ist hier genau richtig, denn hier schlägt das Herz der Lissabonner Szene,- egal ob Hip Hop, Gothic, Jazz oder auch Schwulen und Lesben Szene, in den Bars und Läden des Bairro Altos geht es schrill und bunt zu. Daneben finden sich auch richtig schöne Fado Läden, ohne aufgesetzte Touri-Attitüden. Leider kann ich dem Fado-Gesang voller Sehnsucht und Leidenschaft wenig abgewinnen, doch zu einem Besuch der portugiesischen Hauptstadt gehört ein Fado Abend sicher dazu. Der zweite Hot Spot für das Nachtleben, sind die Docas de Santo Amaro (kurz Docas). Die ehemaligen Lagerhäuser am Yachthafen, unter der großen Hängebrücke (Ponte de 25 abril) wurden umfangreich renoviert. Hier befinden sich weitere angesagte Clubs der Stadt, gemischt mit Restaurants und Pubs. Neben dem Nachtleben hat Lissabon auch tagsüber einiges zu bieten.

Es gibt die unterschiedlichsten Wege ihr Leben zu entdecken. Wir haben uns für den Klassiker entschieden und ließen uns mit der berühmten Straßenbahn Nr. 28 durch die engen Gassen schaukeln. Von Lissabonnern wird sie zwar genauso gemieden, wie wir eine Hafenrundfahrt nur unter Protest antreten, trotzdem ist sie aufregend. Ein wenig wie eine Achterbahnfahrt für Arme – oder Schisser wie mich. Teilweise geht es so nah an Häuserwänden vorbei, oder das bremsen erfolgt so abrupt, dass man schon ein wenig die Nerven behalten muss. An der Endstation in Alfama ging es zum Aussichts-Klassiker dem Miradouro da Graca. Den Blick über die Stadt, das Dächermeer, den Tejo, die Burg sollte sich wirklich kein Besucher entgehen lassen.

In Lissabon unterwegs sein, heißt ständig einen der Hügel bezwingen. Wer das Alfama kennenlernen möchte, bewegt sich durch enge, verwinkelte Gasse hinab zum Fluss oder zur pulsierenden Unterstadt, der Baixa Pombalina. Alfama ist ein reizvolles und altes Stadtviertel, voll von kleinen Läden und Fado-Lokalen, aus denen besonders abends stimmungsvolle Musik auf die Straßen hinaus wehen. An jeder Ecke findet man versteckte Restaurants und hübsche Vorplätze, an denen man kaum vorbei gehen kann. Wir haben auch ein Stop im Castelo de São Jorge  gemacht, die Burg in der die Portugiesischen Könige bis in das 16. Jahrhundert hinein residierten. Heute können Besucher über 11 Türme, den Burggraben, ein Museum im königlichen Palast, eine Ausgrabungsstätte und Ruinen aus dem 7. Jahrhundert besichtigen.

Castelo de São Jorge

In der Unterstadt, quasi im Tal gelegen, ist das Viertel Baixa. Es wurde im 18. Jahrhundert auf dem Reißbrett geplant und sticht durch seine rechtwinklig angeordneten Straßen hervor. New York lässt grüßen… Hier findet man ein modernes Geschäftsviertel, Fußgänger-Boulevards und neoklassizistische Prachtbauten. Die Rua Augusta ist Fußgängerzone und Hauptstraße des Baixa-Viertels. Sie führt vom Rossio direkt auf den Praça do Comércio am Tejoufer.  Er ist mit seinen prächtigen Arkadengängen sicher einer der schönsten Plätze Lissabons. Wer sich im Baixa-Viertel rumtreibt, muss natürlich mit dem Elevator Santa Justa fahren. Der weltberühmte Aufzug, ist eine der Möglichkeiten um in die Oberstadt zu gelangen.

 

Der Ingenieur Mesnier de Ponsard (ehemaliger Schüler Eiffels) errichtete die 45 m hohe Stahlkonstruktion um 1902. Sie hat zwei Kabinen, mit denen jeweils 24 Personen fahren können. Er endet im Stadtviertel Chiado, ein nobles Viertel mit Kunstschulen, Hotels, Theatern, Bücherläden und typischen Cafes. Hier finden sich viele Kunststudenten und die schicken Lissabonner, die sich ihre Zeit in Cafés, wie zum Beispiel dem “A Brasileira” vertreiben.

Als Oberstadt-Shuttle gibt auch den Aufzug Elevador da Glória, ein kleiner, 100 Jahre alter Straßenbahnwagen, der an einem Seil nach oben gehievt wird. Natürlich haben wir die Höhendifferenz von 48 m, mit 18% Steigung und über 265 m Länge zu Fuß erledigt. Oben angekommen, weiß man was Schnappatmung ist und die Lust auf weitere alpine Stadtwanderungen erledigt sich meist von selbst.

 

Wer Lissabon besucht, muss sich auch auf die Spuren des alten Haudegens Vasco da Gama begeben, der bekanntlich von Lissabon aus den Seeweg nach Indien fand.

Das Symbol dafür ist der eher unscheinbar wirkende Turm von Belém, am Ufer des Tejo. Francisco Arruda erbaute den quadratischen Turm mit einem vieleckigen Bollwerk im 16. Jahrhundert. Von außen soll er an die skulpturale Darstellung eines Nashorns erinnern, dafür braucht man jedoch einige Fantasie.

Belém ist wohl das typischste Viertel für geschichtsträchtige Entdeckungen und Eroberungen. Wir haben neben dem Turm natürlich auch das Kloster besucht. Schon von außen beeindrucken die vielen unterschiedlichen architektonischen Elemente. Heute würde man sagen, die Fassade ich ein “Flash Mob” an königlichen, religiösen, naturalistischen und seefahrerischen Motiven. Aufgrund seiner Einzigartigkeit wurde das Kloster von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. In den Seitenflügeln befindet sich das Museu da Marinha (Marine-Museum), ebenfalls ein Muss für diejenigen, die ein wenig mehr über die Seefahrtgeschichte Portugals erfahren möchten. Außerdem ist Belém für die  Vanilletörtchen, die Natas, berühmt und berüchtigt. Mönche haben diese Leckerei den Portugiesen vermacht. Noch heute werden sie nach altem Mönchsrezept hergestellt. Wir haben uns mehr als einmal, über die Kalorienbomben hergemacht und in Belém sind sie wirklich mit Abstand am leckersten.

Neben tollem Großstadtflair hat Lissabon auch einige hübsche Seebäder zu bieten. Mit dem Vorortzug ist man in 30-45 Minuten in der „schicken Sommerfrische“ von Estoril oder Cascais. Allein die Strecke entlang der Küste ist schon die Reise wert. Die beiden Seebäder haben eine prunkvolle Vergangenheit, denn früher im 19. Jahrhundert  trieben sich hier europäische und portugiesische Könige herum. Heute sind es schicke Orte mit viel Charme, Glamour und Charisma. Zum Glück ist Ursprünglichkeit der alten Fischerorte ein wenig erhalten geblieben. Neben dem mondänem Flair mit edlen Schmuckgeschäften und Boutiquen, gibt es noch Fischer die ihren Fang an Land verkaufen und am Hafen Netze reparieren. Beim Bummel durch die Straßen und Villengebiete hatten wir ein wenig das Gefühl, in einem noblen Ort der französischen Côte d’Azur zu sein.

Lissabon war für uns gerade im Winter eine Reise voller Kontraste. Historie und Altmodisches trifft auf die Moderne des 21.Jahrhunders. Pittoreske Altstadtviertel und  historische Straßenbahnen, gibt es hier genauso wie breite Prachtboulevards, pulsierende Szeneviertel oder den futuristischen Park der Nationen. Die portugiesische Hauptstadt mit ihrer Kultur, Geschichte, Architektur und ihren Bewohnern ist es wirklich Wert entdeckt zu werden.

Nützliche Tipps und Infos:  http://www.visitlisboa.com/Home_DE.aspx

Nahverkehr Lissabon: http://www.portugal-reiseinfo.de/lissabon/nahverkehr/nahverkehr.htm

Hotels & Apartments, die uns aufgefallen sind:

http://www.homelidays.de/lisboa/ferienwohnung-280340de1.htm

http://www.lisbon-holiday-apartments.com/index.php?_c=-1

http://www.ferienwohnung-lissabon.de/

http://www.solaresdeportugal.pt/EN/index.php

http://www.vinccihoteles.com/ger/Hotels/Portugal/Lissabon/Vincci-Baixa

www.fontanapark-hotel.com

http://www.bairroaltohotel.com/

http://www.asjanelasverdes.com/

http://www.gatroomspt.com/de/hotel-gat-rossio/h4/

http://www.heritage.pt/

Nachtleben:

http://www.strawberry-world.com/de/portugal/lissabon/nachtleben/bairro-alto-chiado.html

http://www.golisbon.com/night-life/bars.html

http://www.sueddeutsche.de/reisefuehrer/lissabon/unterhaltung