Nordseeinsel Föhr: "Rüm hart - klaar kiming"

Nordseeinsel Föhr: “Rüm hart – klaar kiming”

…das heißt übersetzt “weites Herz – klarer Horizont” und ist der Wahlspruch der Friesen. Ich selbst bin mit Leib und Seele Friesin und seit Generationen mit den Inseln im Wattenmeer aufs tiefste verbunden. Natürlich schnacke ich auch Platt und ein wenig “Fering”, so heißt die friesische Sprache. Mindestens einmal im Jahr besuche ich meine Lieblingsinsel Föhr. Wenn auf der Fähre der steife, frische Wind in mein Gesicht fegt, ist es, als wenn urplötzlich aller Stress von mir abfällt. Dann gibt es nur noch Meer und den klaren Blick zum Horizont, den Halligen und zu den Inseln.

Föhr wird vollmundig als „Karibik der Nordsee“ beworben, das ist zugegebenermaßen etwas übertrieben. Naja, okay – die Sonnenuntergänge können ohne weiteres mithalten und sicher trägt auch der 15 Kilometer feine Sandstrand ein wenig zum Karibikfeeling bei. Ansonsten ist Föhr grün und hat sowohl Geest-wie Marschlandschaft und die typische  grasbewachsenen Seedeiche. Die Fähre legt im Hauptort, der „Inselmetropole“ Wyck an. Hier hat schon der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. als Kind im Sand gebuddelt. Die Wyker Promenade lädt ein, zum Bummeln, Shoppen oder um einen Kaffee zu trinken, in einem der zahlreichen Cafés. Ich freue mich jedes Mal auf die Friesentorte. Ein Kalorientraum aus Pflaumenmus, Schlagsahne und Blätterteig. Die meisten Cafés findet man am Sandwall – der „5th Avenue“ von Föhr, direkt am Strand. Am Ende der Straße befindet sich auch einer meiner Lieblingsläden „Uwe Bernstein“. Hier erfährt man alles über den Bernstein und kann sogar selbst Bernsteine schleifen. Der Schmuck, der verkauft wird hat oft ein tolles Design, ich werde fast immer schwach.

Wyk Sandwall

Romantisch geht ist es in den verwinkelten Kopfsteinpflaster-Gässchen von Alt-Wyk zu. Die hübschen Häuschen mit den bunten Heckenrosenzäunen geben ein verträumtes Bild ab. In der „Alten Druckerei“ in der Mittelstraße, gibt es neben tollen Weinen einen Kultursalon mit Lesungen und anderen Events.

Im außergewöhnlichen Ambiente isst man im „Glücklichen Matthias“. Das Restaurant wurde nach Matthias Petersen aus Oldsum benannt. Er hatte, innerhalb seiner Walfangzeit von 50 Jahren, 373 Wale erlegt und wurde deshalb als der “Glückliche Matthias” bezeichnet. Dementsprechend ist auch die Einrichtung des Restaurants maritim kurios, mit allerlei Einzelstücken, aus der Welt der Seefahrerei.

Strand vor dem Aquamarin

Meinen Morgen beginne ich nach einem Strandspaziergang häufig im “Aquamarin dem Cafe des Schwimmbades. Hier gibt es mit Abstand das beste Frühstück, zu einem wirklich fairen Preis. In chilliger Longe-Atmosphäre, kann ich hier stundenlang sitzen und den  herrlichen Blick auf den Strand, die Nordsee und die vorgelagerten Halligen genießen. Hier gibt es auch den Strandkorbverleih.

Häufig laufe ich nach dem Frühstück die Strandpromenade hinunter zum Südstrand. Meist biege ich in Richtung Nordsee Kurpark ab, um im “Prinzenhof” die besten Pfannkuchen der Insel, in allen erdenklichen Variationen zu genießen. Auch der Garten des Cafés ist einen Besuch wert, in geschützter Lage gedeihen hier viele exotische Bäume und Pflanzen.

Da ich nicht nur überzeugte Genießerin bin, sondern auch gerne aktiven Urlaub verlebe, bietet Föhr hier auch einiges. Am Südstrand bei Peter Schaper in der Strandstraße 33 können Surfbretter und Katamarane gemietet werden, außerdem hat er auch einen Spot in Utersum. Das  Revier um Föhr eignet sich für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Man sollte jedoch beachten, dass hier eine starke Strömung herrscht, die besonders bei einsetzender Tide nicht zu unterschätzen ist.

Wer das Radfahren mag, ist auf Föhr ebenfalls bestens aufgehoben. Wer mag, macht sich auf die 40 km rund Föhr. Es gibt aber auch tolle Touren entlang der Küstenlinie, einen Kunstweg oder durch die grüne Marsch. In Höhe des Dorfes Oevenum gibt es sogar die „Radl-Rast“, eine sogenannte Fahrradtankstelle.Was mich immer wieder wundert, auf Föhr gibt es einfach keinen Rückenwind. Freut man sich auf der Hinfahrt mit Gegenwind, auf den Heimweg mit Rückenwind, so dreht er urplötzlich und man „kämpft“ wieder gegen an.

Trotzdem überraschen mich immer wieder die schönen Dörfer der Insel, ein besonders hübsches Dorf ist Nieblum. Schon der eher bissige Dichter Morgenstern ist seinem Charme erlegen und fand folgende Zeilen:“ Zu Nieblum will ich begraben sein, am Saum zwischen Marsch und Geest…“. Ich hingegen, mag entspannte Stunden in Ulla Zumpes Galerie „De gröne Eck“ und ihrem Cafe, natürlich schaue ich mir immer wieder die wechselnden Ausstellungen an. Ein Vergnügen der besonderen Art, ist das Ziehen von eigenen Kerzen in der “Kerzenscheune“.

Wer kunstinteressiert ist, sollte im Nordwesten der Insel das Dorf Oldsum besuchen, neben einigen Ateliers, gibt es Künstlercafes sowie das Töpfermuseum-und Cafe Stellys Hüüs.

Wer Nordfriesland besucht muss einfach hinaus ins Watt. Eine Wattwanderung ist unglaublich schön. Kein Wunder, dass diese einmalige Landschaft seit 2009 in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen wurde. Dabei ist aber zu beachten, dass man längere Touren nie ohne einen kundigen Führer unternehmen sollte. Seit meiner Kindheit habe ich viele schreckliche Unfälle von Urlaubern erlebt, weil sie aus Leichtsinn, im Watt ums Leben gekommen sind. Leicht unterschätzt man die Wegstrecke, die strömungsintensiven Priele oder man wird überrascht von der rückkehrenden Flut. Nicht selten zieht auch urplötzlich starker Nebel auf und man verliert die Orientierung. Selbst Insulaner und Wattführer gehen fast nie alleine oder ohne Handy ins Watt. Eine sichere, weil geführte Wattwanderung, ist der circa acht Kilometer lange Marsch zur Nachbarinsel Amrum.

Treffpunkt ist der Dunsumer Deichparkplatz und der Start der täglichen Wattwanderungen ist gezeitenabhängig. Zu sehen gibt es unter anderem die versunkenen Umrisse des Schiffswracks der “City of Bedfort”, sie sank bei einer  Sturmflut 1825. Kurz vor Amrum durchwatet man einen etwas tieferen Priel, dass so genannte „Mittelloch“. Doch erfahrene Führer kennen die besten Stellen für einen seichten Übergang. Angekommen in Amrum, geht es meist mit der Fähre wieder Richtung Urlaubsheimat Föhr.

Wer Föhr aus der Luft sehen will und ein Erlebnis der besonderen Art erfahren möchte. Geht mit einem Oldtimer in die Luft. Hanseflug pendelt von Mai bis September, zweimal täglich auf die Nachbarinsel Sylt. Geflogen wird mit der 51 Jahre alten Doppeldeckermaschine vom Typ Antonow II. Sie hat neun Sitzplätze und die Flugzeit beträgt 15 Minuten, Tickets kosten ab 70 Euro.

Mein absoluter Lieblingsort auf Föhr ist der Strandkiosk in Utersum. Tagsüber gibt es meistens einen herrlichen Panoramablick auf Amrum und die Spitze von Sylt. Am Abend habe ich hier die unglaublich schönsten Sonnenuntergänge und Himmelzeichnungen gesehen.

Der eigentliche Grund, warum ich aber immer wieder hierher komme, ist der Wirt Bruno. Er ist ein liebeswertes Unikum, der eigentlich aus dem tiefsten Bayern stammt. Wer wie wir einmal nach Feierabend, mit ihm einige Gläser seines selbstgebrannten Alpenschnaps kosten durfte, wird ihn mögen. Zur normalen Zeit kann man hier aber auch absolut lecker essen. Nachtrag 2014: Leider ist Bruno nicht mehr bei uns. Er ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Wir vermissen ihn sehr und haben oft an ihn gedacht…

Das neue Restaurant heißt jetzt Sehliebe, hier isst man wirklich gut, aber der Flair des alten Strandkiosk fehlt uns sehr.

In Utersum gibt es außerdem auch noch einen tollen Sandstrand, und in den Dünen kann man auch bei Wind die Sonne genießen.

Föhr ist nicht nur landschaftlich und erholungstechnisch einen Besuch wert, auch die Insulaner sind gastfreundschaftlich und nett. Viele bezeichnen sie als kühl, wortkarg und etwas abweisend, das stimmt aber überhaupt nicht. Ich als Friesin würde sagen, vielleicht sind wir ein wenig eigen, mit individuellem Geist und tragen unser Herz nicht auf der Zunge. Auf jeden Fall ist der Friese aber weltoffen. Was nur wenige wissen, fast in jeder Familie gibt es Auswanderer. Viele leben noch heute in New York, Florida oder St. Francisco. Außerdem haben wir eine lange Tradition als Fischer, Walfänger und Seefahrer, die wir auch pflegen. Wer sich ein wenig Mühe gibt, wird unserem speziellen Charme und die Schönheit unserer Inseln sicher verstehen und mögen.

Vielleicht geht es dem Gast, dann wie dem Dichter Morgenstern der schwärmte von: “den stillen sonnigen Abenden am Strand, wenn Meer und Himmel grünblaubraun zusammenrinnen.”

Wenn ihnen mein Reisebericht gefallen hat, würde ich mich sehr über eine positive Bewertung freuen. Falls sie mehr lesen möchten, dann abonnieren sie uns kostenlos auf der Startseite. Übrigens, -bald geht’s zur Friesen- Verwandtschaft nach New York, wir bloggen natürlich regelmäßig darüber.

Weitere Infos zu Föhr gibt es unter: http://www.foehr.de/

Fährzeiten findet man unter: http://www.faehre.de/

Schauen was gerade passiert und wie das aktuelle Wetter ist:

http://www.foehr.de/insel/webcams/

Unterkünfte, die uns aufgefallen sind:

http://www.villa-flora.de/index.html

http://www.haus-friede-foehr.de

http://www.landhaus-altes-pastorat.de

http://www.landhaus-laura.de/hotel.html

http://www.boldys-hues.de/

http://www.rackmers.de/

http://auster-hues.de/

http://www.foehrperle.com/17-0-Haus+Rootstuv.html

http://www.schloss-am-meer.de/