Capri – Viel zu schön für nur einen Tag

Capri – Viel zu schön für nur einen Tag

Ganz ehrlich, eigenartig ist es schon, wenn ein Schlager als Reiseinspiration dient. Aber die rote Sonne, die bei Capri  im Meer versinkt, wollte mir nicht aus dem Kopf gehen. Und es stimmt, die Sonnenuntergänge auf Capri sind wunderschön, aber wer diese erleben will, muss der Insel mehr als einen Tag schenken. Denn verlassen die Tagesgäste die Insel bei Sonnenuntergang, kommt auf Capri ein ganz anderes Gesicht zum Vorschein.

Wir haben an unseren Aufenthalt an der Amalfiküste einen Dreitages-Trip auf die Insel angehängt und haben es keine Sekunde bereut. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis, denn die kleine Bella Isola, hat viel Berg auf so wenig Insel zu bieten und lockt mit einer tollen Naturkulisse. Am Hafen herrscht absoluter Trubel. Rechts am Kay warten die kleinen gelben Busse, die einen über die Insel bringen.

Unser Ziel mit dem Minibus war das eher dörfliche Anacapri. Hier haben wir im kleinen B&B Il Grappolo gewohnt. Die Besitzer sind absolut herzlich, zum Empfang gab es eine Flasche Wein vom eigenen Weinberg. Frühstück wird bei gutem Wetter auf Terrasse serviert ansonsten in der privaten Wohnküche. Ich hatte mich für das Il Grappolo entschieden, weil es einen traumhaften Ausblick auf den Golf von Neapel bietet. Und den haben wir auch sehr genossen.

Anacapri ist nach 17 Uhr, typisch italienisch. Hier treffen sich die Capresen zum Plausch auf der Piazza, Jugendliche cruisen mit dem Motorroller durchs Dorf und die Kinder spielen bis spät abends in den Straßen.

Am ersten Tag war unser Ziel natürlich die berühmte Blaue Grotte. Neben den teuren Touristenschiffen, gibt es auch eine Busverbindung. An der Endstation von Anacapri steigt man einfach um, in den Bus zur Blauen Grotte. Da an diesem Tag das Meer sehr unruhig war, war die Einfahrt zur Grotte leider gesperrt. Wir hatten aber unseren Spaß an den vielen Touristenschiffen, die im Minutentakt den eher unscheinbaren Eingang zur Grotte in den größten Tönen anpriesen. Wer also unbedingt die Blaue Grotte sehen und befahren will sollte sich einen ruhigen Tag aussuchen.

Capri hat jedoch viel mehr zu bieten, als die Blaue Grotte. Es gibt stille Ecken, atemberaubenden Aussichten und tolle Wanderwege. Da sind z.B. der gewaltige Felsbogen im Meer den Arco Naturale, die schwindelerregenden Serpentinen der Via Krupp. Nicht zuletzt die Punta di Tragara, von hier aus bietet sich die Aussicht auf das Wahrzeichen Capris, die Faraglioni.

Das mondäne Capri erlebt man bevorzugt nach Sonnenuntergang auf der Piazzetta des Hautortes. Hier trifft sich die halbe Welt, zum Sehen und Gesehen werden, oft bis tief in die Nacht hinein. Auch Prominente wie Julia Roberts, Dustin Hoffman, Jose Carreras, Kirk Douglas und Sylvester Stallone wurden hier bereits gesichtet.

Besonders gut gefallen hat uns der Weg zur Villa Jovis, diese liegt auf dem Monte Tiberius im Nordosten. Hier hat Tiberius die Sommerfrische genossen, sein „kleines Feriendomizil“ bestand aus ehemals 12 Villen. Heute gibt es natürlich nur noch Ruinen, aber der Ausblick und der schöne Weg dorthin, durch die Gärten von Capri Stadt, machen einen Besuch wirklich lohnenswert.

Mittags haben wir es genossen an der Marina Piccola zu sitzen. Die kleine Bucht liegt zu Füßen des Monte Solaro. Der Ort verströmt einen Hauch von Exklusivität, denn Prominente wie Onassis, Greta Garbo, Maria Callas, Bill Gates, Rod Stewart oder Elton John haben sich auch schon in der Idylle eingefunden.

Für einen Ausflug auf den Monte Solaro, das ist der  höchste Berg Capris (589m), sollte man unbedingt schwindelfrei sein, der Sessellift von Piazza Vittoria ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Aussicht entschädigt aber für alles,- von hier blickt man über die Insel, in den Golf von Neapel bis nach Ischia

Natürlich waren wir auch auf der Phönizier-Treppe (Scala Fenicia) unterwegs. Bis 1874 war dies die einzige Verbindung vom Fährhafen nach Anacapri.

Bequem wie wir sind, haben wir den Abstieg von Anacapri gewählt. Wir waren froh über unsere “faule Entscheidung”, als wir die vielen schweißüberströmten Wanderer sahen, die uns entgegen kamen. Der Blick auf den Weg hinab sollte man sich aber auf gar keinen Fall entgehen lassen, er ist einfach  ein “MUST SEE”.

Wir können verstehen, das Capri viele Prominente, Künstler und Schriftsteller angezogen hat. Die Insel bietet einen tollen Mix aus pittoresker Architektur, wildromantischer Natur, Geschichte und Kultur. Ein Capri-Aufenthalt muss nicht teuer sein, kleinere Gästehäuser, oft mit Familienanschluss, bieten Übernachtungen für teilwiese unter 70€ die Nacht.

Weitere Infos gibt es unter:

http://www.capri.net/en/bed-and-breakfast-capri