Die Balagne - Zu Besuch in Korsikas Garten

Die Balagne – Zu Besuch in Korsikas Garten

Mir geht es wie Napoleon – Korsika  erkenne ich am unverwechselbaren Duft. Schon am Flughafen empfängt einen der Geruch von Ginster, Thymian, Rosmarin, Lavendel und Myrte. Alles hier ist ursprünglich, ein wenig wild und facettenreich. Ich liebe den nordwestlichen Landstrich Korikas, die Balagne und habe sie bereits zwei Mal besucht. Die Region ist besonders fruchtbar, hier findet man Kiefernwälder, blühende Macchia, tiefe Schluchten, imposante Gebirgszüge – genauso wie sanfte Hügel und Olivenhaine.

Korsikas wilde Berglandschaft

Die Hauptstadt der Balagne ist Calvi, sie zählt zu den größeren Städten der Insel. Der  malerische und ein wenig mondäne Ort, liegt geschützt auf einer Felszunge und ist geradezu umschlungen von Befestigungsanlagen. Für viele ist es das Saint Tropez Korsikas. Über der Stadt thront unübersehbar die mächtige Zitadelle.

Zitadelle von Calvi  und Blick auf den Hafen und die Unterstadt

Zum Areal gehört auch eine Altstadt. Die engen, manchmal dunklen Gassen spenden im Sommer herrlichen Schatten. Vom Aussichtsplatz der Zitadelle eröffnet sich ein herrlicher Blick über die westliche Halbinsel La Revellata und über den Strand von Calvi. Der fast fünf Kilometer lange, weite, traumhaft helle Stadtstrand zählt nicht nur zu den schönsten ganz Korsikas, er bietet fast ein wenig Karibikfeeling.

Quai Landry und Calvi Unterstadt

Die Unterstadt von Calvi ist bunt und lebendig, hier trifft man sich zum sehen und gesehen werden. Auf der Quai Landry und der Rue Georges Clemenceau tobt das Leben. Nach dem Essen, kann man vorzüglich durch die hübschen Gassen bummeln und sich mit den berühmten korsischen Spezialitäten eindecken. Der korsische Schinken ist ein absoluter Traum. Er riecht und schmeckt ebenfalls nach den korsischen Bergen. Teilweise wird er von Bauern und Metzgern in Handarbeit hergestellt. Häufig stammt er von Schweinen, die in dem Eichen- und Kastanienwäldern der Insel frei herumlaufen. Ich denke Obelix hätte hier sicher sein ganz privates Paradies gefunden…

 

L’Île Rousse und der Paoli-Platz

Ein weiterer hübscher Ort ist  L’Île Rousse, er verfügt nicht nur über einen tollen Strand, sondern auch über viel mediterranes Leben. Sein korsischer Name lautet  Isula Rossa und wurde nach der vorgelagerten Insel La Pietra benannt. Die Straßen sind angelegt wie ein Schachbrett. Hinter jeder Ecke gibt es Straßencafes, Boutiquen und Restaurants zu entdecken. Die La Bodega beispielsweise ist ein gemütliches Restaurant, mit Lounge-Sofas und es ist toll zum draußen sitzen. Spezialitäten sind frischer Fisch, Paella und Tapas. Der Paoli-Platz ist das Herz der Stadt und ist von Platanen umgeben. Im Sommer spenden sie herrlichen Schatten, als wir dort waren, gab es leider nur Bäume ohne Laub. Dafür haben wir den Markt am Vormittag besucht und uns mit frischem Gemüse und Spezialitäten aus den Gärten der Balagne eingedeckt. Neben dem berühmten Schinken, gibt es auch herrlichen Käse, Wein, Honig und traumhafte Oliven. Ich frage mich immer, wie das korsische Supermodel Laetitia Casta es bloß geschafft hat so dünn zu bleiben.

Ausblicke bei der Zugfahrt mit der Tramway de Balagne

Mein Tipp: Unbedingt mit der Schmalspurbahn von 1949, der Tramway de Balagne von Calvi nach L’Île-Rousse fahren. Die Zugfahrkarte kostet hin und zurück circa 8 €. Die Fahrt ist recht schauklig, man sollte also seefest sein. Dafür hält sie aber auch an den unzähligen Strandbahnhöfen entlang der Küste. Algajola beispielsweise  grenzt an den schönen Strand von Aregno, der kleine Ort hat kleine Gassen und tolle Restaurants. In einer Garage gegenüber dem Bahnhof gibt es eine improvisierte Bar (oder was immer…). Hier gibt’s Wein und Köstlichkeiten von Bauern aus der Umgebung.

Küste bei Algajola

Unser Ferienhaus war in der Nähe der Halbinsel  La Revellata, westlich von Calvi, gelegen. Deshalb haben wir uns auch auf eine Halbtages Wanderung  zum Leuchtturm gemacht. Wir hatten kurz überlegt, ob wir den Wagen nehmen, dies ist theoretisch möglich, aber die Straße ist doch zu unwägbar. Wir waren im Frühjahr unterwegs, aber hatten doch die Sonne und unseren Wasserbedarf unterschätzt. Im Sommer ist es absolut empfehlenswert, früh morgens aufzubrechen.

Halbinsel La Revellata Wanderweg zum Leuchtturm

Auf dem Rückweg sind wir im Restaurant am Plage de Revellata eingekehrt, hier gibt es herrliche leckere Kleinigkeiten. Wer mag, kann den schönen Strand auch von der Straße über einen Trampelpfad erreichen.

La Revellata Bucht mit dem Restaurant

Außer der Balagne haben wir noch die Stadt Bastia, im Norden am Cap Corse und den kleinen Hafenort Saint-Florent an der Küstenlinie Désert des Agriates, besucht. Wer auf Korsika rumfährt sollte beachten, dass die Insel recht groß ist, sie misst 183 Kilometer Länge und 90 Kilometer Breite. Die Straßen sind kurvig und überwinden beträchtliche Höhen. Ein Ausflug mit dem Auto, auch in näher gelegene Ecken der Balagne, dauert immer einen Tag. Wir waren natürlich auch in Bastia. Den meisten ein Begriff als größte Hafenstadt der Insel. Sie ist Anlegestelle für die meisten Fähren aus dem Norden. Die Stadt liegt zu Füßen des Pigno-Massivs. Parken ist hier so eine Sache, wir haben unser Mietauto am Hafen abgestellt. Das ging ganz gut.

Bastias romantische Altstadt

So konnten wir uns zu Fuß von der Neustadt, in die romantische Altstadt bewegen. Die Altstadt hat ihren ganz eigenen Charme mit dem alten Hafen, der Zitadelle, den Plätzen und verwinkelten Gassen.

Unsere Tagestour in den Hafenort Saint-Florent war äußerst kurvenreich. Die Ausblicke über die Küste sind dafür aber mehr als schön. Saint-Florent ist vor allem wegen seiner feinsandigen Strände ein beliebter Touristenort. An unserem Ausflugtag hat es leider gestürmt und geregnet, so dass wir den Ort aus einem geschützten Restaurant genießen mussten. Im Sommer ist er sicher ein Traum. Dafür gibt es einen tollen „Fresstipp“: Am Place de l’ancienne Poste verkauft Benoit Rinaldi in seinem ganz speziellen Laden traditionelle korsische Würste, Käse, Honig, Marmeladen und Liköre.

Aussicht auf der Fahrt nach Saint-Florent

Bevor hier nun der Eindruck entsteht, wir haben Korsika nur besucht um uns die Wampe vollzuschlagen, – was auch stimmt!!!! Wir haben Korsika auch besucht, um hier den Wein zu probieren. Die korsischen Weine sind kräftig und körperreich, aber nicht allzu schwer. Auf der “Route des Vins de l’AOC Corse Calvi” (Weinstraße) gibt es gleich zwölf Weingüter. Besonders idyllisch liegt das “Domaine d’Alzipratu” beim Dorf Zilia. Die Weinstöcke befinden sich am Fuß des Monte Grosso. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Bucht von Calvi. Eigentümer ist Pierre Acquaviva. Besonders empfehlenswert ist sein Weißwein, der aus der korsischen Vermentino gekeltert wird. Ein Wein mit Apfel- und Zitronatnote. Wer isst und trinkt muss sich auch körperlich betätigen. Die großartige Natur hilft selbst Wandermuffeln, in die Gänge zu kommen. Wir haben uns, neben der Halbtages Wanderung auf die Halbinsel La Revellata, auch für eine Tageswanderung  von Lumio nach Algajola entschieden. Am oberen Ortsrand entlang, geht es relativ steil hinauf. Nach etwa 200 Höhenmetern erreichten wir die Felsberge Capu Bracajo und Capu d’Occi. Weiter ging es über die Dörfer Lavatoggio , Sant’ Antonino und über das Künstlerdorf Pigna nach Algajola.

Landschaft der Balange

Wer auf Korsika wandert darf sich nicht über die Kühe und Schweine wundern, die oft unangekündigt den Weg kreuzen. Sie laufen auf der Insel frei herum und schnüffeln durchs Gestrüpp. Selbst private Grundstücke sind hier nicht eingezäunt, sodass die „leckeren“ Viecher hier ganz frei umherstreunen. Für die Sommermonate werden sie sogar ins Gebirge hinaufgetrieben, bis auf dreizehnhundert Meter Höhe, wie die Alpenkühe auf ihre Almen. Dort streunen sie auf kommunalem Land umher, aber selbst private Grundstücke sind hier nicht eingezäunt, so dass sich die Schweine großräumig bewegen können und sich oft auch am Straßenrand sehen lassen.

Korsikas Hauptgebirgskamm

Korsikas bekanntester Wanderweg ist der GR 20. Er führt in südöstlicher Richtung etwa 180 km quer über die Insel. Ausgangspunkt  ist Calenzana bei Calvi. Er folgt dem Hauptgebirgskamm und führt durch den korsischen Nationalpark. Für den gesamten GR 20 soll man ca. 15 Tage benötigen. Eine Etappenübersicht gibt es unter: http://www.fernwege.de/f/gr-20-korsika/etappen/index.html

Wer mag kann in Vizzavona mit dem Zug eine Teilstrecke des Wanderweges bewältigen. Die beste Reisezeit ist zwischen Anfang Juni und Ende September. In diesen Monaten sind die Hütten für Wanderer geöffnet und bieten neben Übernachtungsmöglichkeiten auch jede Menge Verpflegung. Die urigen Berghütten des PNRC (Parc naturel régional de Corse) verwöhnen ihre Gäste vor allem mit regionalen Spezialitäten wie Wildschweinsalami, Kastanienkuchen und korsischem Wein. Die Hütten müssen im Voraus reserviert werden. Infos gibt es im Internet: www.parc-corse.org oder im Informationsbüro des Parks.

Uns hat an Korsika die Ursprünglichkeit und die absolute beeindruckende Natur gefallen. Auswüchse des Massentourismus, wie an der französischen Mittelmeerküste gibt es hier zum Glück nicht. Die Korsen sind ein sehr eigenwilliges Volk und man spürt, dass sie sich schon in den siebziger Jahren gegen die Förderung des Massentourismus entschieden haben. Sie sind jedoch alles andere als unfreundlich. Korsen sind halt ein wenig vorsichtig, vor allem Fremden gegenüber. Wenn man jedoch, wie wir, in ihre Insel verliebt ist und ein paar Brocken Französisch spricht, dem begegnen sie einem nett und gerne auch mit einer Einladung zum Wein. Wer also eine wilde Landschaft, mediterranes Flair und individuellen Urlaub, abseits der Hotelburgen sucht, der ist auf Korsika genau richtig. Mehr Informationen gibt es unter : http://www.balagne-corsica.com/

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