Budapest: Prunkvoll, geschichtsträchtig und lebendig

Budapest: Prunkvoll, geschichtsträchtig und lebendig

Jedes Jahr geht es einmal mit den Mädels auf Reisetour. Wer jetzt an einen Urlaub in Gesellschaft losgelassener Kegelschwestern oder wilder „Whoo-Girls“ denkt, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen.

…die 4. Anke fotografiert

Unser unbestreitbares Entscheidungskriterium für Budapest, war sicher der Wellnessaspekt. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele heilende Thermalquellen auf dermaßen begrenztem Raum. Denn Frau mit 40+++, hat nun mal einen gesteigerten Focus auf alle Formen der entspannten Konservierung. Natürlich darf es neben Wellness auch immer ein wenig Adventure sein. Und Budapest schien all das zu haben und die Donaumetropole hat uns nicht enttäuscht. Ich kann verstehen, dass die Ungarn stolz auf ihre Hauptstadt sind und sie als Königin der Donau sehen. Besonders städtebaulich hat sie in jeder Hinsicht viel zu bieten. Ein Baukasten schönster Architekturgeschichte: Gotik, Renaissance, Barock ,Klassizismus, Jugendstil und viel Scharm der alten k.u.k.-Gründerzeit. Diese Stadt präsentiert sich in den unterschiedlichsten Baustilen.

Eine Stadt zwei Teile – Buda und Pest

Die Donau unterteilt Budapest in das westliche hügelige Buda und das östliche flachere Pest. In Buda prägen der Gellertberg und der Burgberg das Gesicht.

Burgberg und Gellertberg

Eigentlich wollten wir den Burgberg mit der Zahnradbahn erklimmen, aber wir hatten uns an der Brücke vertan und fanden sie einfach nicht. (Gerne mag ich goutieren, das unser mangelnder Orientierungssinn, „vielleicht“ an der ein oder anderen ungarischen Weinprobe am Vorabend lag…)Für alle Weinliebhaber die Zahnradbahn liegt direkt hinter der Széchenyi-Kettenbrücke NICHT hinter der Elisabethbrücke.

Und hier ist er live zu sehen: http://www.earthtv.com/de/kamerastandort/webcam-budapest-ungarn

Das Burgenviertel

Mit seiner Länge von  1,5 km finden sich im Burgenviertel die schönsten historischen Baudenkmäler der Stadt. Jede Ecke erinnert an die glanzvolle Zeit der Habsburger.

Vorhof vom Burgpalast und Historisches Museum

Dominiert wird der Hügel vom Burgpalast, es ist das größte Gebäude Ungarns und erstreckt sich über den kompletten südlichen Teil des Areals. Neben einer unglaublichen Aussicht, gibt es hübsche, stimmungsvolle Plätze und Gassen. Etwas kitschig und skurril ist die Fischerbastei. Ein Bauwerk im neoromantischen Stil, von dem man ohne weiteres glaubt, das Rapunzel, Dornröschen und Co hier „abhängen“ könnten. So ist die Bastei auch Drehort vieler Märchenfilme.

Fischerbastei

Im Herzen des Viertels befindet sich ebenfalls am Dreifaltigkeitsplatz die Matthiaskirche. Sie ist die bekannteste Kirche Ungarns, in der einige Könige gekrönt wurden.

Der Gellertberg

Den Gellertberg haben wir nicht bestiegen. Dafür waren wir natürlich im Gellert Bad. Ein Bad mit viel Tradition und schönen Ambiente. Schon die alten Römer kurten hier. Im 12. und 13. Jahrhundert errichteten dann die Johanniter-Ritter das erste Bad. Die schöne Kuppel im klassizistischen Stil ruht auf acht Säulen. Jugendstilfans werden nicht enttäuscht, die Architektur (um 1918)mit prachtvollen Ornamenten, Fliesen und Säulen machen das Bad schon für sich zu einem Erlebnis. Man kommt sich vor wie in einer längst vergangenen Zeit.

Pest – östliche Flachlandseite

Auf der anderen Seite der Donau, liegt Pest. Hier zeigt die Stadt ein völlig anderes Gesicht. Dieser Bezirk gilt als quirlige Heimat der Studenten, Arbeiter, Künstler und Kaufleute.

Aussicht auf den Stadtteil Pest und die Széchenyi-Kettenbrücke

Ein Viertel mit Jugendstilbauten und Prachtboulevards und pulsierendem Leben. Deswegen gilt der Spruch der Budapester “in Buda wohnen und in Pest leben” noch heute.

Wir haben es vorgezogen unser Lager im jüdischen Viertel aufzuschlagen und waren begeistert!! Rund um die Große Synagoge hat sich in den vergangenen Jahren ein lebendiges Trendviertel entwickelt. Zwischen Synagogen, jüdischen Geschäften und koscheren Restaurants findet sich gleichberechtigt die Kneipen- und Kulturszene des “neuen” Budapest. Verfall und neuer Glanz liegen wohl nirgendwo in der Stadt so dicht beieinander.

Neben der Partyszenen, befinden sich vier Synagogen und die Zentren der drei wichtigsten jüdischen Gemeinden Ungarns (neolog, orthodox und ultra-orthodox) im Bezirk. Heute lebt noch immer ein Fünftel der geschätzten 80.000 ungarischen Juden im Viertel.

Synagoge

Im gesamten siebten Bezirk der Elisabethstadt, soll es sogar ein Drittel sein. Im Zweiten Weltkrieg befand sich hier auch das Budapester Ghetto. Leider schlägt in den letzten Jahren, wie in so vielen Metropolen, das Gentrifizierungs Phänomen zu. Die Bezirksverwaltung verkauft die Jugendstilwohnhäuser zu hohen Preisen an meistbietende Immobilienfirmen. Diese ignorieren den Wert, der zumeist im 19. Jahrhundert errichteten Gebäude. Sie werden abgerissen und neugebaut. So verliert das Viertel schrittweise seinen außerordentlichen Charakter. Bis zu 4.000 Euro pro Quadratmeter zahlt man in der Gegend. Schade, aber zum Glück gibt es noch den einzigartigen Mix aus heruntergekommenen Fassaden der Jugendstilhäuser, angesagten Cafés, Restaurants und dem alltäglichen jüdischen Leben.

In Pest liegt auch eines der spektakulärsten Baudenkmäler der Stadt, das Parlamentsgebäude. Wir haben ihn den „Eispalast“ getauft, wegen der hellen Sandsteinfassade.

Parlament in Budapest

Zwischen 1884 bis 1902 wurde es nach Entwürfen des Architekten Imre Steindl erbaut. Das Gebäude stellt eine einzigartige Verbindung der Neorenaissance und der Gotik dar. Tausende Menschen arbeiteten an dem Bau und über 40 Millionen Ziegel wurden verwendet. Neben dem Gebäude sind 90 Statuen der hervorragenden Persönlichkeiten des Landes aufgestellt.

Besonders bewegt haben uns die 60 Paar metallenen Schuhpaare, am Fuße des Parlaments. Sie erinnern seit 2005 an die Erschießungen von Juden durch die Nazis der Pfeilkreuzler Partei, in den Jahren 1944 und 1945. Ihre  Hinrichtungen wurden im Allgemeinen massenhaft vollgezogen. Die Opfer waren gezwungen, am Ufer der Donau Schlange zu stehen bevor sie ermordet wurden. Das Mahnmal ist ein Gemeinschaftswerk des Filmemachers Can Togay und des Künstlers Gyula Pauer. Absolut sehenswert.

Neben dem ausgiebigen Bummel durch die von Jugendstil geprägten Straßen von Pest, haben wir auch das Areal um das Stadtwäldchen und den Heldenplatz genossen. Der Heldenplatz ist nicht nur bei Skatern sehr beliebt. Am Fuße seiner Säulen erinnern die Reiterstatuen von Fürst Árpád und sechs weiteren Fürsten an die Landnahme von 896. Auf der Spitze steht Erzengel Gabriel, der in einer Hand die ungarische Krone und in der anderen Hand das Patriarchenkreuz hält. An der linken Seite des Platzes steht das Museum der bildenden Künste.Hinter dem Platz beginnt der Stadtpark, mit einem Zoo, einen Vergnügungspark, den Zirkus, Schloss Vajdahunyad, Ruderbootvermietung und dem Gundel Restaurant. Besuchen sollte man auch das Stehlendenkmal, welches seit 2006 an den blutig niedergeschlagenen Volksaufstand von 1956 gedenkt.

 

Natürlich gab es für uns eine ausgiebige Entspannungszeit im Széchenyi-Bad. Das in einem Neobarockbau untergebrachte Bad bietet alles was das Wellnessherz begehrt: Dampfbad, Thermalbad, Heißluft- und Dampfkammern sowie mehrere Freischwimmbecken.

Széchenyi-Bad

Die heißen Quellen dieses Bades weisen einen besonders hohen Gehalt an Fluorid und Metakieselsäure auf. Wer mag, sucht sich im 38 Grad heißem Wasser einen Partner und spielt entspannt eine Runde Schach.

Die Margareteninsel – Verbindung zwischen Buda und Pest

Inmitten der Donau ist diese Insel eine Art grüne Lunge in der Großstadt. Auf ihren 2,5 Kilometern Länge kann durchgeatmet werden, denn hier gibt es keine Autos. Die Budapester kommen hierher, um abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. In der Parkanlage gibt es Open-Air-Events, den Minizoo, einen Rosengarten und Thermalhotels.  Das Palatinus-Bad lockt mit Wasserrutsche, Thermalbecken, Sportbecken und Wellenband. Ein Insidertipp, den wir durch Zufall entdeckt haben, ist die Schwimmbadanlage gleich am Eingang. Benannt nach Hájor Alfréd, dem Gewinner zweier Schwimmmedaillen während der Olympischen Spiele in Athen 1896. In diesem Bad gibt es kein Wellness-Firlefanz, nur „ehrliches“ Schwimmhallenambiente. Dafür aber Indoor- und Outdoor –Thermalbecken, in denen man teilweise völlig alleine ist. Und der Spaß kostet für den ganzen Tag gerade mal 4€.Unser Fazit für Budapest: Einige Städte in der Welt haben einfach, dass kleine bisschen mehr und Budapest gehört definitiv dazu. Ich weiß nicht, ob es ihr nostalgisches Flair ist, die Glanzstücke aus der k. und k. Monarchie sind, vielleicht ihre Lebendigkeit oder das Nebeneinander der Gegensätze, eventuell die vielen schönen Kaffeehäuser. Eins ist sicher, in der Donaumetropole gibt es viel Eindrucksvolles und Wohlfühl-Möglichkeiten ohne Ende. Ohne Zweifel gehört sie zu den schönsten Städten Europas.

Wie kommt man hin? Wir sind mit der Lufthansa geflogen, Hin-und Rückflug für 150 €. Ryanair , Germanwings, Wizz Air und Easyjet fliegen ebenfalls zu günstigen Tarifen in die ungarische Hauptstadt.

Unterkünfte: Wir haben aufwendig recherchiert. Hier ist unsere  PDF-Liste mit diversen Vorschlägen. Ansicht

Unterwegs in Budapest: Budapest hat ein tolles Metro,Straßenbahn und Busnetz. Es empfiehlt sich eine 10er Karte zu kaufen für ca. 10 €. Mehr unter: http://www.bkv.hu/de/

Weitere Informationen:

Tipps von Einheimischen Bloggern- http://www.spottedbylocals.com/budapest/

Insider-Tipps: http://bebudapest.hu/de/be/be-info/

Touristische Informationen: http://www.budapest.com/index.de.html

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